Nach Ungarn war es positiv, dass sich in der Ukraine zumindest einer von uns beiden verständigen konnte. Im beschaulichen Beregsaz, wie der Ort Berehove von den großteils ungarischen Einheimischen genannt wird, gab es außer einem Sowjetdenkmal und unasphaltierten Straßen ohne Kanaldeckel (wo wir die Kamera lieber nicht auspackten) auch ein wirklich erstklassiges Restaurant in dem wir fürstlich um umgerechnet 10 € (für 2!) aßen.
Am nächsten Tag fuhren wir mit dem Bus weiter in die Bezirksstadt Mukacheve. Dort fanden wir neben meinem liebsten Fotomotiv Evgeny alte Mauern und fast ebenso alte Autos und schöne Aussichten,
einen Schmetterling und eine Kapelle, die perfekt zu meinem Kleid passten, eine interessante Kirche, kleine Gassen und verwunschene Gärten.

Von Mukacheve fuhren wir mit dem Bus 4 Stunden lang durchs Hügelland der Karpaten Richtung Lemberg, vorbei an Wiesen, Wäldern, Flüssen, Dörfern, Städtchen, Kühen und Pferden. Vor Lemberg (Lviv) wurde es wieder flach
In Lemberg angekommen machten wir uns auf die Suche nach dem billigen Hotel das unser Reiseführer empfahl (mit dem Beisatz: wenn man auf Sowjet-Charme steht). Das erste, was wir in der angegebenen Straße fanden, war ein violettes Haus, das sich als Sitz der Ukrainischen Militärpolizei herausstellte. Mut zur Farbe, muss man sagen!
Unweit davon stand die Militärakademie

und auf der andern Straßenseite eine Brauerei
Was das mal war, konnten wir nicht mehr feststellen:
Der Zustand des Badezimmers überraschte dann doch ein wenig (außerdem gab es bloss eine Kakerlake, und wir hatten doch ein Zimmer für 2!). Das ist also Sowjet-Charme? Naja, ist ja nur für eine Nacht. Also: Koffer dortlassen und gleich wieder raus aus dem Hotel um die abendliche Stadt anzusehen:


Beim Weg ins Zentrum bekamen wir schon eine Ahnung, was das Flair von Lemberg ausmacht
Diese Straße tauften wir wegen ihres Zustands Beirut 1982 (oder wars 1986, Evgeny?). Wir hatten das dringende Gefühl, dass man sich hier nicht Nachts herumtreiben sollte.
Gar nicht weit davon war die Oper, die sehr an ihr Wiener Gegenstück erinnerte (kein Wunder, bei der Geschichte, die Lemberg hat)

Aber auch den neueren Epochen waren Denkmäler gesetzt worden:
Die schöne Altstadt lud zum entspannten abendlichen Prominieren ein: Hektik war hier scheinbar unbekannt
Am nächsten Morgen frühstückten wir deftig am Markt. Es gab Vareniki gefüllt mit Kartoffeln und Pilzen, dazu Tee, während es die Marktfrauen am Nebentisch noch deftiger liebten: sie tranken bereits um 10:00 vormittags Bier und Wodka dazu!
Auf dem Weg ins armenische Viertel kamen wir auch durch die Beirutgasse, die bei Tag ein wenig ansprechender aussah:
Die armenische Kirche von 1363 war von außen schlicht...
...aber von innen ein wahres Juwel

Jetzt suchten und fanden wir das armenische Cafe, das uns empfohlen worden war
wo noch Kaffee auf traditionelle armenische Art zubereitet wird. Er wird in heissem Sand zum Kochen gebracht und schmeckt wunderbar
Zwei Dinge fielen uns in Lemberg auf: die schönen alten Häuser, und die entspannte Atmosphäre: Schlendern und Plaudern schien hier das Normal zu sein, nicht Hetzen und Lärmen

Wir wären wohl noch länger in Lemberg geblieben, aber eine nette Bar, in der wir aßen, erinnerte uns auf Grund der mutigen Farben an den Sitz der Militärpolizei...
...und somit an die Straße, in der unser unseliges Hotel stand. Noch eine Nacht in dieser Bude? Nein!!!!!!!! Also auf zum Bahnhof und Tickets für den Nachtzug nach Kiev kaufen
Da kam Freude auf, als wir unsere Platzkart-Tickets in der Tasche hatten, die weniger kosteten als eine weitere Nacht im Vlasta und uns überdies 650 km weit nach Kiev bringen würden
...UND TSCHÜSS, Vlasta!!!
Hurra, nix wie rein in den Zug
...und schon ahnt, was einen in Kiev erwartet:
Life's good, sagten wir uns auch, als wir in Kiev ankamen und machten uns auf die Suche nach unserem Hotel, das wir diesmal im Internet gefunden hatten. An der Adresse in einem Außenbezirk von Kiev angekommen, fanden wir allerdings kein Hotel, sondern eine Fahrschule, die in einem ehemaligen sowjetischen Turnverein untergebracht war:
Wir fragten den Portier. Hier seien wir schon richtig: bei der Hintertür wieder raus und über den Hof
Wir befürchteten Sowjetcharme und fanden zu unserer Überraschung im Hinterhof in einem ehemaligen Fabriksgebäude ein kleines, feines Hotel namens Minihotel Anastasia mit freundlicher Rezeptionistin, warmem Wasser und lichtdurchfluteten sauberen Zimmern. Es hatte keinen Haken und kostete umgerechnet nur 30€ für zwei, also um 5€ mehr als das Vlasta!
und es hatte sogar Aussicht: auf einen Marillenbaum und die Uralt-Autos der Fahrschule.
Mit so einer Bleibe zum Relaxen ließ sich Kiev länger als Lemberg aushalten. Wir blieben drei Tage in der abwechslungsreichsten aller Städte, die wir auf unserer Reise besucht hatten. Hier gabs abwechslungsreiche Archtektur
und archaiische Krieger
Pharaonisches in Riesendimensionen
Dann gabs noch jede Menge Gold und Kuppeln
und den majestätischen Fluss Dnjepr
stille Gärten mitten in der Stadt, die sonst keiner besuchte
außerdem noch bunte Straßensängerinnen
und ein Wiener Kaffee ( oder das, was man sich in der Ukraine drunter vorstellt, in dem Kaffee und Mehlspeisen mehr kosteten als in Wien und wo die Klimaanlage so kalt eingestellt war, dass ich am nächsten Tag vor Halsweh nicht mehr reden konnte)
Da war dann noch ein hilfsbereiter Hund:
So schön und vielfältig Kiev auch war: nach drei Tagen hieß es weiterfahren, denn wir hatten noch einen weiten Weg vor uns. Mit dem Zug fuhren wir nach Harkiv in der Ostukraine, woher auch unsere Pritschennachbarin stammte. Sie empfahl uns dort das Hotel Harkiv.

und am zweiten Tag konnten wir dem Lockruf der Eisenbahn nicht mehr widerstehen (so hautnah erlebt man den auch selten) und kauften uns Platzkart nach Kursk, das unsere erste Staion in Russland sein sollte
Übermorgen gehts weiter mit Wilder Osten Teil 3: Russland
lllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllll
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AntwortenLöschenIch finde die Bilder ganz toll,
AntwortenLöschenbin sehr beeindruckt, von den ländlichen Gegenden,