Sonntag, 6. September 2009

Wilder Osten Teil 4: Kazachstan

Als wir am Morgen wach wurden, tranken wir Tee und genossen das entspannte Treiben in unserem kazachischen Waggon.





Die Landschaft durch die der Zug schnurgerade fuhr sah recht ähnlich aus wie in Sibirien: unendliche Weite, wenige kleine Siedlungen und einzelne Häuschen, Viehherden und darüber viel Himmel.







Und hier mitten im Nichts sollte eine der modernsten Städte der Welt, Astana sein, das vor etwa 10 Jahren vom Präsidenten des Staates, Nursultan Nasarbaev vom unbedeutenden Steppendorf zur Hauptstadt gemacht worden war? Irgendwann nach Stunden tauchte tatsächlich die utopisch anmutende Skyline von Astana wie eine Fatamorgana am Horizont auf. Jetzt waren wir aber wirklich gespannt!


Die Einfahrt war wenig spektakulär, dafür hatte der moderne Bahnhof eine Überraschung parat:
er war der erste unserer Reise, der über Rolltreppen und Rampen für die Koffer verfügte.


Nachdem wir eine Unterkunft gefunden hatten, machten wir uns auf zum Zentrum. Wo das genau war, wussten die Einheimischen auch nicht. Wir irrten also eine Weile auf einer der zahlreichen Riesen-Baustellen herum


bis wir den Einheimischen folgten, um wieder rauszufinden


Und draußen wies uns dieser freundliche Reiter den Weg

Auch die Polizisten, die die Kreuzung regelten, waren Wegweisend! Leider kommt am Foto die nette Choreografie, die sie aufführten, nicht zur Geltung. Immer beim Richtungswechsel ließen sie nämlich den Signalstock eine Minute lang im Kreis wirbeln, bevor sie die andere Fahrtrichtung freigaben.

Schließlich erreichten wir den Fluss Isim


Auf der anderen Seite war ein riesiger Park



Nach den kühlen nassen Tagen in Omsk genossen wir die heißen, trockenen Steppenwinde, die hier wehten.



Das Klima war scheinbar auch für Blumen geeigneter als jenes in Omsk

Wir gingen erst nach Sonnenuntergang in unser Apartment zurück

Am nächsten Tag kamen wir dem Zentrum schon näher

In dem Gebäude mit der blauen Kuppel, dem ehemaligen Präsidentenpalast, ist jetzt das "Museum des ersten Präsidenten der Republik Kazachstan" und es war wirklich sehenswert


Dort gabs riesige Säle, die vollgestopft waren mit Orden und Staatsgeschenken, die Staatsoberhäupter aus aller Welt Nursultan Nasarbaev mitgebracht hatten und wir erkannten, dass es nicht nur uns schwer fiel, geschmackvolle Souvenirs zu finden. Die meisten waren bei der Auswahl nach dem Motto "Hauptsache teuer" vorgegangen, außer Präsident Clinton: der hatte ein paar abgespielte und (wahrscheinlich mit Tiger Woods) signierte Golfbälle mitgebracht. Leider durfte man dort nicht fotografieren.


Je näher wir dem Zentrum kamen, umso mehr interessante moderne Gebäude gab es und ich konnte gar nicht genug davon kriegen, sie aus allen Perspektiven zu fotografieren:

























Man musste einfach bestätigen: ja, Astana sieht gut aus!



Nachdem es weder Wegweiser gab noch Menschen, die einem Auskunft hätten geben können, weil unsere Fragen nach dem Zentrum in Ermangelung eines Reiseführers zu vage waren, gingen wir tagelang einfach der Nase nach und das war keine schlechte Entscheidung, denn so entdeckten wir auch Winkel von Astana, in die uns kein Reiseführer geschickt hätte



Das schnelle Bauen der Stadt in nur 10 Jahren forderte auch seinen Tribut und man brauchte nicht lang zu suchen, um Bauschäden zu entdecken


und die Häuser sahen von hinten auch bei weitem nicht so gut aus wie von vorne

Eins muss man sagen: die Werbefachleute versuchten nicht, ihre sowjetische Vergangenheit zu leugnen



Als wir am Abend des dritten Tages endlich das Zentrum erreichten, hatten wir wirklich schon eine Menge gesehen, das sicher in keinem Reiseführer stand (den es hier sowieso genausowenig gab wie Landkarten)


Und dann fanden wir endlich das Wahrzeichen von Astana, den Bajterek, den Baum des Lebens:



Ich hab mal wo gelesen, dass das Wahrzeichen von Astana wie ein Fußballpokal aussieht. Das ist nicht so falsch, aber doch ein wenig respektlos.

Im Untergeschoß des Bajterek gab es ein Aquarium

oben in der Kugel konnte man seine Hand in die des Präsidenten legen

und Segenssprüche für Kazachstan lesen, das im Zentrum der Welt liegt, in dessen Zentrum Astana liegt, in dessen Zentrum, dem Bajterek wir uns jetzt befanden

Als wir wieder unten ankamen, war es Nacht geworden

und so

hab ich mir als Kind immer den Froschkönig vorgestellt (natürlich NACH der Verwandlung:)))

Am nächsten Tag wollten wir die berühmte Pyramide sehen und fragten uns schließlich zum richtigen Bus durch, der außer uns eine Familie mit sympathischen Kleinkindern transportierte


und einen ebenso sympathischen Schaffner hatte (man sieht ihn durch die Scheibe), der ganz begeistert war, dass er Touristen im Bus hatte und sich bis zur Endstation ganz interessiert mit uns unterhielt


Wir waren am östlichsten Teil der Achse, die das gigantische Zentrum von Astana bildet, angekommen,


einem riesigen Platz mit ebensolchen Gebäuden, die kurz vor der Fertigstellung standen


Um sich die wahren Ausmaße dieser 3 Gebäude vorstellen zu können, betrachte man die Menschen am Fuß der Säule!


Evgeny fand, das ganze sei doch ziemlich pharaonisch!


Besonders, wenn man sich zur anderen Seite drehte, denn dort war die gesuchte Pyramide

Außer der Form hatte sie nicht viel mit ihrer ägyptischen Schwester gemeinsam

Im Untergeschoß ist die Oper von Astana untergebracht, in der gerade, apropos pharaonisch, Aida gespielt wurde


Mit dem Lift (das schräge Ding in Bildmitte) gings dann in die mittleren Etagen, die nichts mehr vom düsteren, schwülstigen des Untergeschoßes hatten, und von dort zu Fuß weiter





Die Glasaußenwände der Pyramide waren mit 120 Tauben geschmückt, die nicht nur den Frieden, sondern auch die 120 verschiedenen Ethnien, die in Kazachstan friedlich zusammenleben, symbolisieren sollen


Durch die Scheiben sah man zum Regierungsviertel







Von hinten sah die Pyramide genauso perfekt aus wie von vorne

und der große Park, von dem aus man schon das Regierungsviertel sah

lud nicht nur uns zum Spazierengehen ein


Zur Erfrischung konnte man dann ein wenig im Brunnen planschen



bevor es über eine Bücke weiterging zum Regierungsviertel



mit dem neuen Regierungssitz des Präsidenten

und den Ministerien

und Schatztürmen



die dem Präsidentenpalast recht dekorativ Gesellschaft leisten. Bescheidenheit ist nicht grade ein Merkmal dieser Stadt!


Mittlerweile war das Thermometer auf 41° geklettert

die aber mit einem Eis auszuhalten waren

vor allem in der Nähe der vielen Brunnen






Schließlich begann die Sonne zu sinken und nach der von allen FotografInnen geschätzten golden hour, die nicht nur die Türme in goldenes Licht tauchte




folgte wieder einer der unwiderstehlichen Sonnenuntergänge


Der Ruf des Muezzin erinnerte uns daran, dass die Mehrheit der Bevölkerung islamischen Glaubens ist und lockte uns zur Moschee





Diesmal war ich nicht richtig angezogen und so ging Evgeny alleine in die Moschee, während ich mehr Abendstimmungen fotografierte




Keine Ahnung, was der Atheist Evgeny in der Moschee erlebt hatte,

aber als er nach langer Zeit wieder rauskam, sah er ziemlich erleuchtet aus, was mich wieder mal zum Schluß kommen ließ: Gott existiert!


Über Evgenys Erleuchtung war es Nacht geworden und wir machten uns auf den Heimweg





Zum Abschluß dieses Tages gabs, sicher uns zu Ehren, noch ein prächtiges Feuerwerk.



Endlich hatten wir das Zentrum von Astana durchschaut: Es besteht aus einer etwa 2 km langen gigantischen Achse, die von Ost nach West verläuft. An ihrem (derzeit) östlichsten Punkt steht die Riesensäule, flankiert von Sport- und Veranstaltungsstadien


dann folgt Richtung Westen die Pyramide, die übrigens 61 m hoch ist und Palast des Friedens und der Harmonie heisst:


Dann ist elegant der Fluss Isim hindrapiert, denn der nimmt hier nicht zufällig diesen Verlauf, sondern setzt den Präsidentenpalast in Szene:


Als nächstes folgen die beiden Schatztürme, die links und rechts von den Ministerien flankiert werden:



und schließlich das Zentrum des Zentrums, der Bayterek, hier in Richtung Westen betrachtet:


Dort steht das imposante Gebäude der KazMunayGaz, der Sitz der staatlichen Energiegesellschaft:



und schließlich als vorläufig westlichste Attraktion an der zentralen Achse, die übrigens Bulvar Nurzhol heisst, wird gerade das Khan Shatyr gebaut. Es ist das wohl ergeizigste Projekt der Stadt und wurde ebenso wie die Pyramide vom Architekten Norman Foster entworfen: 150 m hoch und schräg geneigt, wird es aus hitzeabsorbierenden Materialien gebaut, die es auch bei minus 30° auf sommerliche Temperaturen aufheizen und soll nach seiner Fertigstellung Strände, Gärten, Pools, Cafes und sogar einen Golfplatz beherbergen.


Aber wer weiss, wie es in ein paar Jahren weitergeht, denn es war ein schlauer Schachzug des Präsidenten und seiner Architekten, das Zentrum als Achse anzulegen. So ist es in beide Richtungen schier endlos in die weite Steppe erweiterbar. Man hört z.B. von einer Universität für 35.000 Studenten, die die Achse erweitern soll.

Am und um den Bulvar Nurzhol befinden sich die Bibliothek


und die Hauptmoschee von Astana

sowie unzählige moderne Hochhäuser



Auch auf gepflegte Grünflächen, plätschernde Brunnen und Denkmäler, die an verschiedene Epochen der kazachischen Geschichte erinnern, wurde nicht vergessen!





Und zum Glück gibt's auch freundliche Menschen, die dem ganzen unwirklichen Utopia Leben einhauchen



wie diese kazachische Großfamilie (nein, sie posierten nicht für mich, ich drückte nur auch schnell ab, weil sie so schön dastanden :-)


Beeindruckend waren das Licht und die Wolken in Astana. Der Himmel hatte immer etwas Dramatisches und sah aus wie in einer (kitschigen) Inszenierung:














Schließlich waren 4 Wochen vorüber. Vier Wochen? Wir waren so voller Eindrücke, dass es uns vorkam wie ein halbes Jahr. Wir machten uns schweren Herzens im Morgengrauen auf den Weg zum Flughafen und nahmen Abschied, nicht nur von Astana, sondern auch von einander. Ich flog nach Wien zurück und Evgeny fuhr mit dem Bus zurück nach Omsk.


Was das Schönste an unserer Reise gewesen ist? Dass es uns so gut miteinander gegangen ist, dass wir beschlossen haben, im Spätherbst, wenn Evgeny aus Omsk zurückkommt, zu heiraten.



Und weil uns der Wilde Osten so fasziniert hat, wollen wir auch andere mit dieser Begeisterung anstecken. Wenn euch die Bilder Lust gemacht haben (nein, nicht aufs Heiraten, sondern aufs Reisen!) oder ihr immer schon in den Wilden Osten wolltet, aber euch nicht getraut habt (weil ihr nicht russisch sprecht oder weil euch alle sagen, wie gefährlich es dort ist), könnt ihr nächsten Sommer beruhigt hinfahren:

wir planen und organisieren gerne eure Reise und begleiten euch!

Eure Reiseagentur WILDER OSTEN ;-)