Als wir am Morgen wach wurden, tranken wir Tee und genossen das entspannte Treiben in unserem kazachischen Waggon.
Die Landschaft durch die der Zug schnurgerade fuhr sah recht ähnlich aus wie in Sibirien: unendliche Weite, wenige kleine Siedlungen und einzelne Häuschen, Viehherden und darüber viel Himmel.
Und hier mitten im Nichts sollte eine der modernsten Städte der Welt, Astana sein, das vor etwa 10 Jahren vom Präsidenten des Staates, Nursultan Nasarbaev vom unbedeutenden Steppendorf zur Hauptstadt gemacht worden war? Irgendwann nach Stunden tauchte tatsächlich die utopisch anmutende Skyline von Astana wie eine Fatamorgana am Horizont auf. Jetzt waren wir aber wirklich gespannt!
Die Einfahrt war wenig spektakulär, dafür hatte der moderne Bahnhof eine Überraschung parat:
er war der erste unserer Reise, der über Rolltreppen und Rampen für die Koffer verfügte.
Nachdem wir eine Unterkunft gefunden hatten, machten wir uns auf zum Zentrum. Wo das genau war, wussten die Einheimischen auch nicht. Wir irrten also eine Weile auf einer der zahlreichen Riesen-Baustellen herum
Und draußen wies uns dieser freundliche Reiter den Weg
Auf der anderen Seite war ein riesiger Park
Dort gabs riesige Säle, die vollgestopft waren mit Orden und Staatsgeschenken, die Staatsoberhäupter aus aller Welt Nursultan Nasarbaev mitgebracht hatten und wir erkannten, dass es nicht nur uns schwer fiel, geschmackvolle Souvenirs zu finden. Die meisten waren bei der Auswahl nach dem Motto "Hauptsache teuer" vorgegangen, außer Präsident Clinton: der hatte ein paar abgespielte und (wahrscheinlich mit Tiger Woods) signierte Golfbälle mitgebracht. Leider durfte man dort nicht fotografieren.



Man musste einfach bestätigen: ja, Astana sieht gut aus!
Nachdem es weder Wegweiser gab noch Menschen, die einem Auskunft hätten geben können, weil unsere Fragen nach dem Zentrum in Ermangelung eines Reiseführers zu vage waren, gingen wir tagelang einfach der Nase nach und das war keine schlechte Entscheidung, denn so entdeckten wir auch Winkel von Astana, in die uns kein Reiseführer geschickt hätte

Das schnelle Bauen der Stadt in nur 10 Jahren forderte auch seinen Tribut und man brauchte nicht lang zu suchen, um Bauschäden zu entdecken
und die Häuser sahen von hinten auch bei weitem nicht so gut aus wie von vorne

Ich hab mal wo gelesen, dass das Wahrzeichen von Astana wie ein Fußballpokal aussieht. Das ist nicht so falsch, aber doch ein wenig respektlos.
Im Untergeschoß des Bajterek gab es ein Aquarium
Am nächsten Tag wollten wir die berühmte Pyramide sehen und fragten uns schließlich zum richtigen Bus durch, der außer uns eine Familie mit sympathischen Kleinkindern transportierte
und einen ebenso sympathischen Schaffner hatte (man sieht ihn durch die Scheibe), der ganz begeistert war, dass er Touristen im Bus hatte und sich bis zur Endstation ganz interessiert mit uns unterhielt
Wir waren am östlichsten Teil der Achse, die das gigantische Zentrum von Astana bildet, angekommen,
einem riesigen Platz mit ebensolchen Gebäuden, die kurz vor der Fertigstellung standen
Um sich die wahren Ausmaße dieser 3 Gebäude vorstellen zu können, betrachte man die Menschen am Fuß der Säule!
Evgeny fand, das ganze sei doch ziemlich pharaonisch!
Besonders, wenn man sich zur anderen Seite drehte, denn dort war die gesuchte Pyramide


Mit dem Lift (das schräge Ding in Bildmitte) gings dann in die mittleren Etagen, die nichts mehr vom düsteren, schwülstigen des Untergeschoßes hatten, und von dort zu Fuß weiter
Die Glasaußenwände der Pyramide waren mit 120 Tauben geschmückt, die nicht nur den Frieden, sondern auch die 120 verschiedenen Ethnien, die in Kazachstan friedlich zusammenleben, symbolisieren sollen
Durch die Scheiben sah man zum Regierungsviertel

Von hinten sah die Pyramide genauso perfekt aus wie von vorne
bevor es über eine Bücke weiterging zum Regierungsviertel
Mittlerweile war das Thermometer auf 41° geklettert

Schließlich begann die Sonne zu sinken und nach der von allen FotografInnen geschätzten golden hour, die nicht nur die Türme in goldenes Licht tauchte


Der Ruf des Muezzin erinnerte uns daran, dass die Mehrheit der Bevölkerung islamischen Glaubens ist und lockte uns zur Moschee
Diesmal war ich nicht richtig angezogen und so ging Evgeny alleine in die Moschee, während ich mehr Abendstimmungen fotografierte
Keine Ahnung, was der Atheist Evgeny in der Moschee erlebt hatte,

Über Evgenys Erleuchtung war es Nacht geworden und wir machten uns auf den Heimweg
Zum Abschluß dieses Tages gabs, sicher uns zu Ehren, noch ein prächtiges Feuerwerk.Endlich hatten wir das Zentrum von Astana durchschaut: Es besteht aus einer etwa 2 km langen gigantischen Achse, die von Ost nach West verläuft. An ihrem (derzeit) östlichsten Punkt steht die Riesensäule, flankiert von Sport- und Veranstaltungsstadien
dann folgt Richtung Westen die Pyramide, die übrigens 61 m hoch ist und Palast des Friedens und der Harmonie heisst:
Dann ist elegant der Fluss Isim hindrapiert, denn der nimmt hier nicht zufällig diesen Verlauf, sondern setzt den Präsidentenpalast in Szene:
Als nächstes folgen die beiden Schatztürme, die links und rechts von den Ministerien flankiert werden:
und schließlich das Zentrum des Zentrums, der Bayterek, hier in Richtung Westen betrachtet:
Dort steht das imposante Gebäude der KazMunayGaz, der Sitz der staatlichen Energiegesellschaft:
und schließlich als vorläufig westlichste Attraktion an der zentralen Achse, die übrigens Bulvar Nurzhol heisst, wird gerade das Khan Shatyr gebaut. Es ist das wohl ergeizigste Projekt der Stadt und wurde ebenso wie die Pyramide vom Architekten Norman Foster entworfen: 150 m hoch und schräg geneigt, wird es aus hitzeabsorbierenden Materialien gebaut, die es auch bei minus 30° auf sommerliche Temperaturen aufheizen und soll nach seiner Fertigstellung Strände, Gärten, Pools, Cafes und sogar einen Golfplatz beherbergen.
Aber wer weiss, wie es in ein paar Jahren weitergeht, denn es war ein schlauer Schachzug des Präsidenten und seiner Architekten, das Zentrum als Achse anzulegen. So ist es in beide Richtungen schier endlos in die weite Steppe erweiterbar. Man hört z.B. von einer Universität für 35.000 Studenten, die die Achse erweitern soll.
Am und um den Bulvar Nurzhol befinden sich die Bibliothek
und die Hauptmoschee von Astana
Und zum Glück gibt's auch freundliche Menschen, die dem ganzen unwirklichen Utopia Leben einhauchen
Beeindruckend waren das Licht und die Wolken in Astana. Der Himmel hatte immer etwas Dramatisches und sah aus wie in einer (kitschigen) Inszenierung:

Und weil uns der Wilde Osten so fasziniert hat, wollen wir auch andere mit dieser Begeisterung anstecken. Wenn euch die Bilder Lust gemacht haben (nein, nicht aufs Heiraten, sondern aufs Reisen!) oder ihr immer schon in den Wilden Osten wolltet, aber euch nicht getraut habt (weil ihr nicht russisch sprecht oder weil euch alle sagen, wie gefährlich es dort ist), könnt ihr nächsten Sommer beruhigt hinfahren:
wir planen und organisieren gerne eure Reise und begleiten euch!
Eure Reiseagentur WILDER OSTEN ;-)
Eure Reiseagentur WILDER OSTEN ;-)
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